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Alles über Schuhe, Stiefel & Sandalen - zur StartseiteSchuhcreme und Schuhpflegezum Speichern und Ausdrucken können sie sich hier den gesamten Artikel als PDF-Datei runterladen. Über Schuhcremes geistern abenteuerliche und wundersame Geschichten durch die Welt. Ob im Handel, beim Schuhmacher, oder - noch schlimmer, im Internet, es finden sich falsche Informationen und unsinnige Ratschläge in Hülle und Fülle. Hört und liest man das alles und sieht dazu das längst unüberschaubare Angebot verschiedener Liquide, Cremes, Pasten, Tinkturen, Gels, Sprays usw., entsteht der Eindruck Schuhpflege und Schuhputzen sei fast eine Geheimwissenschaft und ein teures Vergnügen obendrein. Glücklicherweise ist das Gegenteil der Fall. Effektive Schuhpflege ist ganz simpel und noch dazu äußerst preiswert. Wie es zu der trotzdem allenthalben falschen Informationslage und dem vorherrschenden Zerrbild der Wirklichkeit - nicht nur beim Verbraucher, sondern gleichermaßen im Schuhfachhandel und beim Schuhmacher, kam und welche Schuhpflegemittel wirklich sinnvoll sind, ist das Thema der folgenden Zeilen. Dank dieser Hintergrundinformationen wird dann deutlich, wie einfach es im Grunde genommen ist, Kompetenz in Sachen Schuhpflege zu erlangen, sowohl in theoretischer als auch in praktischer Hinsicht. Dafür ist jedoch zunächst ein Blick in die Entwicklungsgeschichte moderner Schuhcremes notwendig. Von der Wichse zur DosencremeSchuhcreme, wie wir Sie bis heute kennen, stammt aus den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Davor wurde mit den untauglichsten Mitteln versucht Schuhe zu pflegen, zu färben und zum Glänzen zu bringen. Bei der alten Schuhwichse experimentierte man mit Gemischen aus Fett, Melasse und Kohlestaub, mischte das ganze mit Säuren und schmierte es auf die Schuhe. Den kurzzeitigen Glanz, der schon beim ersten Wasserkontakt dahin war, erkaufte man sich jedoch mit einer langsamen Zerstörung des Leders. Erst als die Löslichkeit von Wachs in Terpentinöl entdeckt wurde, vermochte man eine Creme herzustellen, die das Leder nicht zerstörte, sondern schützte und pflegte. Man verpackte das neuartige Pflegemittel in flache Blechdosen und nannte es Terpentinöl-Wachscreme. Das war die Geburtsstunde der bis heute noch gebräuchlichen so genannten Dosencreme oder auch Hartwachscreme. Es kam der 1. Weltkrieg und in der Folge dessen eine Mangelwirtschaft. Rohstoffe, auch die für Schuhcreme, wie Terpentinöl und white spirits (Benzinfraktionen die zusammen mit dem Terpentinöl der Creme als Lösemittel dienen) wurden knapp und teuer. Von der Dosencreme zur MischemulsionscremeDie Chemiker suchten nach Alternativen und experimentierten so lange, bis sie eine Creme entwickelt hatten, die zum Teil mit Terpentinöl und zum anderen Teil mit Wasser als Lösemittel auskam. Das funktionierte aber nicht mehr mit den bewährten harten Pflegewachsen, man musste sich mit weicheren Wachsarten und aus Kohle gewonnenen Montanwachsen begnügen. Auch brauchte man Emulgatoren, um die Wachse zu verseifen und die eigentlich nicht zusammen in eine Mischung zu bringenden Stoffe, wie Wasser und Öl oder Wachs, in eine gleichmäßige Verteilung in die Schuhpaste zu bringen. Die Emulsionscreme, genauer die Mischcreme war entstanden. Mischcreme oder Mischemulsionen genannt, weil sie sowohl mit Wasser wie auch mit Terpentinöl und Benzin als Lösemittel versehen war. Diese Art der Emulsionscreme gibt es auch heute noch: Die Tiegelcreme Saphir médaille d’or und die Tubencreme von Kiwi zählen zu dieser Gruppe hochwertiger Emulsionscremes. Von der Mischemulsion zur untauglichen WasseremulsionWeil in diesen Emulsionscremes immer noch teures und rares Verdünnungsmittel benötigt wurde, experimentierte und suchte man weiter. Tatsächlich gelang es, Emulsionen zu erzeugen, die nur mit Wasser als «Lösemittel» auskamen. Zusätzlich vermochte billiges Paraffin, in größeren Mengen beigegeben, eine gute Struktur der Creme zu erzeugen und erlaubte gleichzeitig weiteres Einsparen der vergleichsweise teuren weichen Wachse. Die Wasseremulsionscreme, oder kurz die Wassercreme war erfunden! Probleme bereitete damals noch die Verpackung, man brauchte Tiegel aus Glas mit dicht schließenden Deckeln. Und die Creme neigte aufgrund des Wassergehalts zum schimmeln. Deshalb ging man noch einen Schritt weiter. Man entzog dem Pflegemittel wieder Wasser und überließ es dem Endverbraucher dieses direkt vor Verwendung des Präparats wieder zufügen. So wurde es möglich, die Wasserware, wie die Industrie und der Handel diesen Typ von Pflegemittel treffend nannten, in Stangenform und als Pulver anzubieten. Die Stange (ein Vorläufer der heutigen Tuben mit Auftragsschwamm vor der Öffnung und genauso untauglich für einen dosierten Auftrag wie diese modernen Convenience-Produkte) hatte eine Papier- oder Wachsumhüllung, damit die Hände sauber blieben. An einem Ende riss man etwas Papier/Wachs ab, benetzte diesen Teil mit Wasser und strich damit über das Oberleder. Das Pulver wurde vorher mit etwas Wasser angerührt, bevor man es auftragen konnte. Untaugliche Wasserware - damals wie heuteDoch vor lauter Einsparungen hatte die Schuhcreme in Gestalt der Wasserware ihre Tauglichkeit als Schuhpflegemittel eingebüßt. In einer Zeit, als die Verbraucher in ihren Schuhen noch viel zu Fuß unterwegs waren und die Schuhe möglichst lange halten sollten, bemerkte man diesen Umstand rasch. Lederfachleute warnten in schriftlichen Publikationen vor dem Gebrauch von Wasseremulsionscremes. Auch in den bekannten Standardwerken der Industrie und des Handels (Pflegemittelindustrie, Schuhmachereien, Schuhhersteller und -händler) sowie den wissenschaftlichen Publikationen der Gerbereitechnik wurde immer wieder eindringlich betont, dass Wasserware ein minderwertiges Lederpflegemittel sei. Die Verbraucher wechselten alsbald wieder zu der bewährten Hartwachscreme aus der Blechdose zurück. In den 1980er Jahren bereitete die Biowelle und ein teilweise falsch verstandenes Ökologiebewusstsein erneut den Weg für die Wasserware, die bis heute größtenteils die Regale füllt und nichtsahnende Verbraucher an der Schuhpflege verzweifeln lässt. Clevere Marketingstrategen machten den Händlern weis, dass dieser «neue» Typ von «Hightechcreme» das Allerbeste sei, was man sich für die Schuhe überhaupt nur wünschen könne. Dabei sei sie frei von angeblich schädlichen Lösemitteln und vor allem auch so «umweltschonend». Doch der Vorteil lag eindeutig auf der Herstellerseite, wo eine respektable Profitoptimierung zu verzeichnen war. Nicht nur die teuren Inhaltsstoffe, sondern insbesondere die kostspieligen Filteranlagen und Arbeitsschutzeinrichtungen konnten entfallen. Man hatte gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: a) Das Produkt war billiger in der Herstellung, wurde aber zum gleichen oder sogar noch höheren Preis verkauft. b) Durch das angebliche umweltfreundliche Pflegemittel stieg das Image der Branche. c) Und schlussendlich konnte mehr solcher Cremes verkauft werden, weil die Mittel jetzt angeblich «sehr spezialisiert» waren, so dass der Verbraucher gleich mehrere dieser Tuben und Tiegel brauchte, wo zuvor noch eine einzige Dosencreme ausgereicht hatte. Und ein Spray für eine bis dato merkwürdigerweise nie erwähnte, nun aber plötzlich ganz wesentliche «Grundimprägnierung» war auch angeraten. Selbstverständlich unerwähnt bleiben damals wie heute die gravierenden Nachteile: Die «modernen» Cremes waren bei weitem nicht so gut wie die bis dato üblichen Dosencremes und bei genauerer Betrachtung wurde die Pflege unter dem Strich sogar aufwändiger und teurer. Doch wen stören schon solche Nebensächlichkeiten? Der Verbraucher und der Handel waren jedenfalls zunächst zufrieden gestellt. Wie der Verbraucher gleich mehrfach getäuscht wirdDie Argumente «Hightech» und «Umweltschutz» sind pure Augenwischerei, die zu Lasten des Verbrauchers gehen. Und zwar aus folgenden Gründen: 1. Kein Mensch kann in seinem Leben je so viel Schuhcreme verbrauchen, dass er während dieser gesamten Zeit auch nur annähernd so viel Lösemittel (Benzin/Terpentinöl) verbrauchen würde, wie er es allein bei einer einzigen Tankfüllung in seinen privaten Pkw schüttet. 2. Die «neue» Creme ist wesentlich schlechter als die gute alte Dosencreme. Das lässt sich problemlos von jedermann nachprüfen: Ein Schuh wird mit einer lösemittelfreien Emulsionscreme aus der Tube oder Tiegel behandelt, der andere Schuh mit einer Dosencreme. Die Unterschiede sind schon beim Auftragen deutlich spürbar und unübersehbar beim Tragen der Schuhe. 3. Die Wasseremulsionscremes (Kennzeichen: lösemittelfrei) können nur auf wenige Pflegemerkmale optimiert werden. Sie wirken also immer nur einseitig positiv. Die Chemiker versuchen die Quadratur des Kreises, wenn sie die Wasserware zu einem Allroundpflegemittel machen wollen. Es gelingt einfach nicht. Deshalb sind diese Mittel auch für bestimmte Einsatzzwecke optimiert: Das eine glänzt besonders, das andere ist hervorragend Wasser abweisend, das Dritte soll angeblich dem Leder Nahrung bieten, und so weiter. 4. Diese einseitige Wirkung hat zur Folge, dass der Verbraucher noch ein weiteres Pflegemittel braucht, um die Mängel der ersten Creme auszugleichen. Dafür werden im Handel meistens Imprägniersprays empfohlen. Es scheint schon fast eine Art Verkaufsreflex geworden zu sein, dem Endkunden beim Schuhkauf gleich noch ein Spray «zur Imprägnierung» mit zu verkaufen. Vollkommen überflüssig bei Verwendung einer Dosencreme. 5. Diese Sprays bestehen etwa zur Hälfte (!) aus reinem Lösemittel. Also aus dem, was doch angeblich überflüssig wurde und im Umweltsinn eingespart werden sollte. 6. Der Kunde wird genötigt zwei Produkte zu kaufen, zwei Produkte zu bezahlen und zwei Produkte anzuwenden. Das ist teuer, zeitaufwändig und der vermeintliche Bequemlichkeitsgewinn (es reicht mit dem Finger nur noch auf das Ventil der Sprayflasche zu drücken) ist dahin. Und bei Anwendung von Dosencreme wäre es vor allem völlig überflüssig. Kommunikationspolitik und NullinformationVerständlich, dass unter diesen Bedingungen die Öffentlichkeit, ja selbst der Fachhändler nicht mit den Einzelheiten der Pflegemittelformel, sprich den Inhaltsstoffen, «belastet» wird. – Das ist der Grund, weshalb bis heute keine fundierten Informationen zu Schuhpflegemitteln zu finden sind. Der Informationsgehalt der Produktaufdrucke und -etiketten ist genauso informationsleer, wie die Kataloge für den Fachhandel. Ja selbst Schulungen, die Hersteller gelegentlich für Schuhhändler und Schuhmacher offerieren, bieten keine verwertbaren Hinweise, sondern vornehmlich leeres Werbegeschwätz. Die Referenten bleiben auf konkrete Nachfragen die Antworten schuldig. Verbraucherschützer benutzen hierfür den treffenden Ausdruck Nullinformation. Das war früher noch anders. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es viele Bücher und Rezepte über Pflegemittel. Viele kleine und kaum größere Firmen und Marken kämpften um die Gunst der Verbraucher. Viele der heute noch existierenden Hersteller gründeten die Firmen in dieser Zeit. Die Rezepturen wurden von Fachleuten in Zeitschriften öffentlich diskutiert. Heute kann man darüber nichts mehr erfahren, weil es angeblich «Betriebsgeheimnisse» sind. Ein unredliches Argument, da die Grundformulierungen der verschiedenen Präparate seit Jahrzehnten bekannt sind. Die (geheimen) Feinheiten der Cremes liegen an ganz anderen Stellen der Herstellung, aber nicht in den Inhaltsstoffen verborgen. Doch die Geheimnistuerei hat sich anscheinend gut bewährt, denn selbst Fachleute fragen heute erst gar nicht mehr nach. Das bereitet den Boden für die Art von Desinformationen wie wir sie heute zu den Pflegemitteln bekommen. Da wird beispielsweise der gute Ruf der Bienen ausgenutzt, um beim Nichtfachmann eine positive Assoziation zu schaffen, wenn von Bienenwachs als Bestandteil der Creme die Rede ist. Wofür das gut sein soll, und wie viel davon in der Creme tatsächlich steckt (0,2 oder vielleicht 0,8 Prozent?) wird nicht erklärt. Da ist dann mal das Jojobaöl eine zeitlang in Mode, oder plötzlich beinhalten viele Cremes Silikonöl. (Vom Silikonöl kam man allerdings schnell wieder ab. Zu viele Verbraucher dachten dabei wohl an das Silikon zur Fugenabdichtung im Badezimmer, als sie es mit hochwertiger Schuhpflege verbinden wollten.) Momentan ist das Schlagwort «Nanotechnologie» der Trendaufhänger inhaltsleerer Werbebotschaften. Interessant dabei ist, dass man dem Endkunden wie auch dem Handelsprofi diesen Unsinn verkaufen kann, ohne dass man sich gezwungen sieht, erklären zu müssen, warum das Bienenwachs, das Jojobaöl, das Silikon, die Nanopartikel oder was auch immer, angeblich neu und revolutionär sei und welche Funktion es im Produkt versieht. Verbrauchern wie Verkäufern wird auf diese Weise suggeriert, es gäbe wieder etwas Neues und natürlich viel Besseres. Der Wunsch nach etwas Besserem ist zwangsläufig permanent vorhanden, da niemandem verborgen blieb, dass die (Wasseremulsions-)Creme der letzten Generation noch verbesserungswürdig war. So erhoffen sich viele eine Verbesserung von der jeweils gerade vorgestellten «Neuentwicklung mit nochmals verbesserter Wirkformel», und bemerken seit Jahren nicht, dass ihnen immer wieder der gleiche untaugliche Cremetyp, nur unter neuen Vorzeichen und mit neuen Duftstoffen, verkauft wird. So wurde nach und nach der Markt nachhaltig umgekrempelt und die von alle dem nichts ahnenden Händler auf die gewünschte Linie gebracht: Die gute alte Dosencreme geriet ins Abseits (Stigma: umweltgefährdend, gesundheitsschädlich, schmutzige Finger verursachend) und die Wassercremes wurden in immer neuen Varianten verkauft. Natürlich vermied man den Ausdruck Wassercreme oder Wasserware. Händler, ja selbst die Mitarbeiter der Pflegemittelhersteller haben diesen Begriff größtenteils noch nie gehört. Das klingt zu billig und passt wohl auch nicht recht zum Preis der Produkte. Was würden viele denken, wenn heraus käme, dass man letztlich Wasser teuer verkauft? Ebenso dass es alternativ zur Wasserware auch noch eine empfehlenswertere Emulsionscreme (die Mischemulsion) gibt, wurde dem Handel gänzlich verschwiegen. Klar, denn das hätte einen Erklärungsnotstand zur Folge gehabt, zu erläutern, wieso man denn zwei Cremes für den gleichen Zweck anbietet. Nützliche IdiotenWassercremes schossen in den letzten 20 Jahren wie Pilze aus dem Boden. Als sich beim Verbraucher erste Verunsicherung bemerkbar machte und auch der Handel bei dem offensichtlichen Überangebot nicht mehr durchblickte, fand man sogleich eine kreative Begründung für die überflüssige «Produktvielfalt»: Die «heutigen modernen Leder», so heißt es seitdem, benötigen diese Mehrzahl spezialisierter Pflegemittel. Einerseits, weil nur so die optimale Pflege der Leder gewährleistet sei und andererseits, weil damit Unverträglichkeiten ausgeschlossen würden. Jeder Lederfachmann schüttelt nur den Kopf bei diesem Pseudoargument. Wer sich mit deck- und durchgefärbten Ledern sowie deren Appreturen auskennt, weiß, dass diese Begründung schlicht falsch ist. Doch Schuhhändler sind keine Lederfachleute und schluckten gutgläubig diese Argumentation. Hatten sie doch zum Teil die unangenehme Erfahrung mit reklamierenden Kunden gemacht, bei denen Oberleder unerwartet auf Schuhcreme reagierte. Da fiel es leicht dieser Unverträglichkeitslüge aufzusitzen. Wenngleich die Wahrheit anders ausschaut: Im Zuge der immer billiger werdenden Schuhe, wurden auch die verwendeten Leder immer billiger. Dadurch kamen Importleder mit fehlerhaften Oberlederzurichtungen in den Handel. Schmierte der Verbraucher irgendeine Creme, ja selbst einfaches Wasser auf diese Möchte-gern-Leder, reagierte die mangelhafte Appretur in unberechenbarer Weise. Fälschlich und unwissend schob man kurzerhand dem jeweiligen Pflegemittel, statt dem für das ungeeignete Leder verantwortlichen Schuhfabrikanten, die Schuld in die Schuhe. Die Handelsfachblätter berichteten darüber, die Händlerschaft war verunsichert, und die Industrie hatte ein neues Argument für ihre «Präparatevielfalt». So ist heute insgesamt eine erschreckende Fehl- und Unkenntnis in der gesamten Schuhbranche in bezug auf Schuhpflegemittel entstanden. Also nicht nur beim Verbraucher, sondern ebenso im Schuhfachhandel und bei den meisten Schuhmachern. Geschickt wurden Halb- mit Unwahrheiten zu einer für den Wiederverkäufer gut zu schluckenden Mischung aufbereitet, die nur ein wirklicher Fachmann noch zu durchschauen vermochte. Und welchen Anreiz sollte der haben, seine Kollegen oder einen Kunden über das besser geeignete Schuhpflegemittel aufzuklären? Wofür mehrere Minuten Beratung investieren, wenn er nur ein, zwei Euro am Produkt verdient? Auch stünde er mit seiner fachkundigen Beratung ziemlich allein auf weiter Flur, und riskiert einen Kunden zu verlieren, weil der ihm nicht glaubt, dass man beispielsweise kein spezielles Pflegemittel mit einem extra Siegel für Schuhe mit Klimamembran braucht, sondern eine gute Dosencreme, die nur einen Bruchteil des Spray kostet, es genauso gut, ja sogar besser macht. Und die kurzsichtig orientierten Einzelhändler würden es ihrem Kollegen eher übel nehmen, wenn dieser die Kunden aufklärt und diese in der Folge gute Dosencremes dafür aber auch weniger Cremes kaufen würde. Trotzdem ist es bedenklich, wennVerkäufer die leeren Worthülsen nachbeten, die sie von den Vertretern der Pflegepräparate gehört haben oder in den Prospekten lesen. Sie machen sich zu den seit Lenin immer wieder zitierten «nützlichen Idioten», wenn sie unreflektiert ohne Verständnis einfach etwas nachplappern und verschaffen dadurch dem oben beschriebenen Pflegemittel-Kartenhaus ein scheinbar solides (vertrauenswürdiges) Fundament. Denn wenn alle das sagen, dann muss das doch stimmen ... Die WissendenTrotz der allgegenwärtigen Desinformationen über Schuhcremes hat sich eine bestimmte Gruppe von Händlern, Schuhmachern und Schuhträgern nie vom bewährten Dosencremetyp getrennt. Das sind bezeichnenderweise die Schuhhändler, die ausschließlich sehr hochwertige Herrenschuhe (ab circa 300 Euro aufwärts) verkaufen, ebenso die bekannten Maßschuhmacher Europas und die Endverbraucher, die diese Qualität von Schuhen tragen. Dort werden die besten Oberleder, feinstes Boxcalf, Chevreau, echtes Kroko und Cordovan verwendet. Da schmiert man nicht irgendeine lösemittelfreie Creme drauf und auch ein Spray hat auf diesen Ledern nichts verloren. Wer die gleichen Paar Schuhe über viele Jahre hinweg tragen möchte, pflegt diese mit Creme aus der Blechdose wie eh und je. Und eifersüchtig auf diesen Schuhglanz schielende Endkunden preiswerterer Schuhe lassen sich untaugliche Mittel andrehen, weil es auch die Masse der Händler nicht besser weiß. Es gab und gibt also Zirkel in denen die Schuhpflege und das Schuhpflegemittel nie zur Diskussion stand, die schon immer wussten, dass Dosencreme den ultimativen Glanz und Schutz für die Schuhe darstellt. Diese Selbstverständlichkeit gab auch nie Anlass darüber zu diskutieren. Wenn in diesen Kreisen über Schuhpflege gesprochen wird, dann nur über spezielle Bereiche, wie eine optimale Ledersohlenpflege, ein schönes Antikfinish oder Wasserpolituren. Ein Beispiel hierfür ist die13seitige Schuhpflege für Fortgeschrittene, gemeinsam verfasst vom Pflegeprofi Rainer Ersfeld und dem Schuhbuchautor Helge Sternke. Sie ist www.burgol.de als pdf-Datei nachzulesen oder herunterzuladen. Doch die allgemeine Pflegemitteldiskussion findet vornehmlich dort statt, wo man aufgrund untauglicher Mittel und vielleicht auch minderwertiger Oberleder immer wieder aufs Neue enttäuscht wird. Ent-täuscht im Wortsinn. Deshalb ist es auch sehr schwierig an unabhängige und vernünftige Informationen über Schuhpflege und -pflegemittel heran zu kommen. Die einzige herstellerungebundene, jedem zugängliche Informationsquelle ist das Buch «Alles über Herrenschuhe» (www.schuhbuch.de) von Helge Sternke. Darin werden die verschiedenen Pflegemitteltypen, ihre Bestandteile und Einsatzzwecke verständlich erläutert. Und eine praxisorientierte Hilfe zur richtigen Schuhpflege befindet sich unter www.burgol.de auf der Website der renommierten Pflegemittelmarke, wo die beiden oben erwähnten Schuhpflegespezialisten Ersfeld und Sternke auf weiteren 16 Seiten sehr nützliche Hinweise zu allen Aspekten der richtigen Schuhpflege geben. Dort findet sich auch ein Vergleichstest unterschiedlicher Dosencremes. Andere Fundstellen im Internet bieten bestenfalls unvollständige Informationen, in der Regel aber eher unbrauchbare und leider oft falsche Tipps. Die Seiten sind oft nur von den wirtschaftlichen Interessen der dahinter stehenden Firmen gelenkt und preisen auch die weniger empfehlenswerten Produkte als notwendig an. Insofern bleibt das, was sich sonst im Web an Des- und Mangelinformation rund um Schuhpflege tummelt, besser unerwähnt.
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