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Der Schuhpflegetipp - Teil 1

von Rainer Ersfeld

Rainer Ersfeld inmitten seiner Schuhe

Schuhpflege lässt sich am besten durch die Praxis erfahren. Dann bemerkt man schnell, dass gute Schuhpflege weder schwierig ist, noch viele Utensilien erfordert. Learning by doing, ist auch das Motto unseres Kolumnenautors und Schuhexperten Rainer Ersfeld, der hier inmitten einiger seiner über einhundert Paar Schuhe in die Kamera schaut. Sein Credo: Jeder Schuh ist anders, denn jedes Stück Leder reagiert auf das Pflegemittel individuell. Aber trotzdem verlängert jede Pflege das Schuhleben und zeitigt brilliante Ergebnisse, um die einen andere mit verstohlenen Blicken heimlich beneiden.

Hier nun der zweite Teil der Kolumne. Den ersten Teil finden Sie hier.

 

 


Schuhe

Waschen Sie die Schuhe gründlich wie im ersten Teil beschrieben: den Schaft (innen und außen), die Sohle (inklusive Absatzmantel und Absatzbrust). Verwenden Sie dazu ein Haushaltstuch oder einen handelsüblichen Abwaschschwamm (weiche Seite). Falls Sie Lederseife oder Sattelseife verwenden (kostengünstiger und ebenso funktionell ist Kernseife oder ein Hauch milden Haarshampoos), spülen Sie anschließend das Leder gründlich mit frischem, klarem Wasser ab.

Schuhe

Jetzt tragen Sie mit der Rahmenauftragbürste (oder mit einer Zahnbürste) die Palmenwachsschuhcreme auf den Rahmen und den Sohlenschaftwinkel der noch leicht feuchten Schuhe auf. Insbesondere im Winter und der feuchten Jahreszeit ist dies besonders wichtig. Das harte Wachs der Carnaubapalme, welches in der regenreichen Zeit die Blätter der Pflanze schützt, ist auch der optimale Schutz und Glanzgeber für die Schuhe (übrigens wird das hochwertige Pflanzenwachs auch in der Kosmetik für die Herstellung von Lippenstiften verwendet).

Nun geht es mit der Auftragbürste weiter: Schmieren Sie flächig die Schuhcreme auf den Schaft und den Sohlenrand. Die Creme etwas antrocknen lassen und kurz bevor sie völlig vom Leder aufgenommen ist, massieren Sie sie in kreisenden Bewegungen mit Hilfe eines Lappens, den Sie fest um einen oder zwei Finger gewickelt haben, ins Schaftleder ein. Zum Abschluss versuchen Sie mit langen flächigen Strichen, die Oberfläche des Leders zu glätten. Sobald die Wachspaste leicht eingetrocknet ist und seidenmatt zu glänzen beginnt, fahren Sie mit dem Handballen der flachen Hand ein-, zweimal ohne Druck schnell und zügig über den Schuhschaft. Ein leichter Glanzschimmer ist das Ergebnis, welches Sie anschließend mit der Ziegenhaarbürste weiter optimieren.


Schuhe

Bei dem abgebildeten Schuhpaar nahm ich als Grundfarbe und zur Grundierung Mittelbraun. Um dem Oberleder eine gewisse Farbtiefe und Brillanz zu geben, habe ich anschließend noch je eine hauchdünne Schicht von zwei dunkleren Brauntönen aufgetragen und jede Schicht einzeln nach dem Trocknen feinpoliert. Den leuchtenden und strahlenden Effekt erlangen Sie durch das Mischen von Bordeaux mit Rot - aber immer nach dem Motto "weniger ist mehr" -. Lassen Sie nun das Wachs etwa 15 - 20 Minuten aushärten. Anschließend können sie mit der finalen Hochglanzpolitur beginnen.

Diese Methode der Hochglanzpolitur hat gegenüber der Wasserglanzpolitur den Vorteil, dass die dünne Wachsschicht nicht bricht, was sonst in den Gehfalten und den mechanisch stark beanspruchten Zonen passiert. Diese feinen Risse werden zwar bei Porzellan absichtlich erzeugt (sog. Craquelßeacute;e), bei Schuhen sind sie aber eher Zeichen von einer falsch oder zu früh aufgebrachten Hochglanzpolitur. Deshalb empfehle ich, falls es doch eine Wasserglanzpolitur sein soll, nur ein Kappenfinish bis zur ersten Gehfalte, wie es die Franzosen bevorzugen.

Schuhe

Bevor Sie die Schuhbändel wieder einziehen, imprägnieren Sie noch das Sohlengelenk, den Sohlenrand sowie den Absatzmantel und die Absatzbrust. Denn einen optimal gepflegten Schuh erkennt man auch und gerade an diesen Feinheiten. Streichen Sie mit einem Lappen etwas Burgol Palmenwachscreme auf die betreffenden Stellen und reiben mit etwas Spucke hinterher. Dadurch wird die Oberfläche besonders glatt und glänzend.

 

Schuhe

Wie das Bild beweist, kann man mit ein wenig Übung und Spucke und nur drei veschiedenfarbigen Palmenwachscremes schon ein "glänzendes"Ergebnis erzielen. Diese gründliche und etwas aufwändige Schuhpflegemethode hat den Vorteil, dass Sie in der Folgezeit viel weniger Zeit zu investieren brauchen, um zu einem gepflegten Schuhaussehen zu gelangen. Es ist ähnlich wie beim Auto, Motorrad oder Fahrrad: einmal gründlich geputzt und für die gepflegte Erhaltung benötigt man später wesentlich weniger Zeit.

Übrigens der Herrenschuhfachmann und Schuhbuchautor Helge Sternke in einem Verbrauchstest ermittelt, dass man mit einer Dose Burgol mehr als 200 Paar Herrenschuhe der Größe 8,5 pflegen kann. Sparsamer geht's kaum.

Lesen Sie im nächsten Teil meiner Kolumne wie man eine Hochglanzpolitur erzeugt.

Weitere nützliche Tipps und Tricks vom Profi finden Sie als downloadbare PDF-Dateien unter www.burgol.de

Empfehlung: Das Schuhpflegeseminar mit Rainer Ersfeld und Helge Sternke.

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