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Der Schuhpflegetipp - Teil 1von Rainer Ersfeld Schuhpflege lässt sich am besten durch die Praxis erfahren. Dann bemerkt man schnell, dass gute Schuhpflege weder schwierig ist, noch viele Utensilien erfordert. Learning by doing, ist auch das Motto unseres Kolumnenautors und Schuhexperten Rainer Ersfeld, der hier inmitten einiger seiner über einhundert Paar Schuhe in die Kamera schaut. Sein Credo: Jeder Schuh ist anders, denn jedes Stück Leder reagiert auf das Pflegemittel individuell. Aber trotzdem verlängert jede Pflege das Schuhleben und zeitigt brilliante Ergebnisse, um die einen andere mit verstohlenen Blicken heimlich beneiden. Für den ersten Teil seiner Kolumne zeigt er die Wiedergeburt zweier recht mitgenommener Schuhe. Denn manchmal werden auch hochwertige, rahmengenähte Schuhe, wie diese Norweger aus der Manufaktur von Heinrich Dinkelacker, stark strapaziert. Dann sehen die Schuhe oft schlimm aus. Aber das ist kein Grund zur Sorge. Mit ein wenig Know-How, dem richtigen Pflegemittel und etwas Hingabe, erstrahlen die Schuhe erneut in einem edlen Finish. Die Ausgangssituation: Die Schuhe sind ausgeblichen, staubig, zeigen einen verschrammten Schaft und abgestoßenen Sohlenrand. Als erstes werden die Schuhbändel ausgefädelt und bei dieser Gelegenheit auch gleich auf Schäden geprüft. Bei sichtbaren Schäden, am besten gleich entsorgen. Die Schuhe werden nun zunächst gründlich von innen und außen (wer mag, auch die Laufsohle) mit handwarmen Wasser und etwas Kernseife abgewaschen. Dafür eignet sich gut ein Haushaltsschwamm. Hartnäckige Schmutzstellen können auch gefühlvoll mit einer naturhaarbestückten Handwaschbürste abgeschrubbt werden. Abschließend mit viel klarem Wasser die Seifenreste entfernen. Deutlich ist der gründliche Kontakt mit Wasser zu erkennen. Wichtig ist, dass der Schaft keine trockenen Stellen zeigt, sondern möglichst gleichmäßig feucht ist. Stehendes Wasser im Schaft ist nicht erwünscht und sollte, sofern es bei der Reinigung auftritt, immer gleich ausgekippt werden. Das Ergebnis der Reinigung kann im nassen Zustand nicht beurteilt werden. Damit sich das feuchte Leder nicht verzieht, Falten bildet und die Passform leidet, wird ein möglichst passender Schuhspanner eingelegt. Wichtig ist, dass der Ausfüllleisten im Vorderschuh optimal einliegt. Um damit sicher zu stellen, dass er nicht irgendwo am Futterleder hängen geblieben ist, schlagen Sie den rahmengenähten Schuh einmal kurz mit dem Sohlenrand (nicht mit dem Schaft!) im Ballenbereich auf eine fest Unterlage (Tisch oder ähnliches). Ein leichtes Schaftlifting erreicht man durch gefühlvolles ßUuml;berstreichen des Schafts, wodurch Gehfalten quasi herausgestrichen werden. Kipphebel-Schraubspanner nicht zu fest einstellen. ßUuml;bermäßige Spannung führt sonst leicht zu einer unerwünschten Schaftverformung im Gelenk- und Fersenbereich. Die Schuhstrecker sollten aus saugfähigem, ungewachstem und unlackiertem Holz sein; unerheblich ob aus Buche oder Zeder. Das beschleunigt das Trocknen. Um den gewünschten Farbton zu bekommen, trage ich zwei Cremes nacheinander auf den leicht feuchten Schaft auf. Zur besseren Kontrolle beginne ich immer mit der helleren Creme. In diesem Fall zunächst hellbraun, gefolgt von mittelbraun. Eine einheitliche Systematik beim Auftragen der Hartwachscreme gewährleistet, dass keine Stelle vergessen wird, auch wenn man mal zwischendurch die Arbeit unterbrechen muss. Mit der dunklen Creme behandele ich im Anschluss an das Oberleder den Sohlenschaftwinkel (geht ausgezeichnet mit einer Zahnbürste), behandele anschließend den Absatzmantel, die Absatzbrust, den Sohlenschnitt und - je nach Färbung, ebenso das Sohlengelenk. Ein bewährter Trick: Noch mit dem Auftragslappen streiche ich solange glättend über die Wachsschicht auf dem Schaft, bis diese leicht zu glänzen beginnt. Jetzt tausche ich den feuchten Holzspanner gegen einen trockenen aus und lasse die Schuh einen Tag lang austrocknen und das Wachs aushärten. Ist der Schuh sehr feucht, tausche ich zwischendurch nochmal den Spanner. Am folgenden Tag, sind die Schuhe trocken und die Wachsschicht kann mühelos poliert werden. Höchsten Glanz erreichen Sie mit den kurzhaarigen, in eigenen Testreihen für diesen Zweck optimierten, Burgol-Ziegenhaarbürsten (Artikel über die Herstellung). Danach werden die zum Schuh gehörigen Originalschuhspanner wieder eingelegt und zum Schluss noch die Schnürsenkel eingezogen. Das glänzende Ergebnis kann sich sehen lassen! Und es beweist einmal mehr, dass hochwertige Schuhe, ohne viele Werkzeuge und Pflegemittel, hervorragend gepflegt werden können. Und es zeigt, dass vor allem durch die flexible, aber dennoch harte Wachsschicht einer guten Dosencreme geschütze, hochwertige Schuhe gar nicht so empfindlich sind, wie vielfach fälschlicherweise angenommen und behauptet wird. Andere Cremetypen in Tuben und Tiegeln vermögen das Oberleder nicht ausreichend zu schützen, sodass Nährstoffe dem Leder verloren gehen (und deshalb durch diese Cremes immer wieder ersetzt werden müssen) und auch der Glanz nicht so beständig ist, wie der einer guten Dosencreme. Wer also mit der Hartwachscreme aus der flachen Blechdose seine Lederschuhe pflegt, hat jahrelang Freude am stets einwandfreien Erscheinungsbild seiner Schuhe die dadurch ebenfalls viele Jahre halten. Weitere nützliche Tipps und Tricks vom Profi finden Sie als downloadbare PDF-Dateien unter www.burgol.de Empfehlung: Das Schuhpflegeseminar mit Rainer Ersfeld und Helge Sternke. Teil 1 / 2 / 3 / 4 / zur Übersicht
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